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Das Denken in der Schwebe

Am Ab-Grund findet das Denken keinen Grund mehr. Es fällt ins Bodenlose, wo nichts mehr trägt. Aber muß das Denken notwendig getragen sein? Offenkundig, weil das Denken keine selbstherrliche, in sich abgekapselte Tätigkeit und kein für sich ablaufendes Triebwerk ist. Das Denken bleibt von Hause aus an das Zu-Denkende verwiesen, von ihm geheißen.

Doch muß denn das Tragende für alle Fälle den Charakter eines Trägers haben, den die Metaphysik als Substanz oder als Subjekt vorstellt? Keineswegs. Dergleichen wie das Denken kann getragen sein, indem es schwebt. Wie freilich das Denken zu schweben vermag, woher ihm das Schweben kommt, dies zu be-stimmen, bedarf es einer eigenen Erfahrung und Besinnung.

He***

(Bremer und Freiburger Vorträge, S. 154).

Sprung in den Abgrund

Wenn nun schon jeder einfache Satz als Satz — als entbergende Darlegung von Zugrundeliegendem — ein Satz ist, der jeweils auf einen Grund geht und somit in weitestem Sinne ein Grund-Satz, welchen Wesens sind dann jene Grundsätze, die man unter dem Titel «Denkgesetze» kennt?

Der Satz A ist A legt A als A dar. (...). Worauf geht die Darlegung? Darauf, daß zu jedem Vorliegenden gehört: selbig mit ihm selbst. Genauer gesprochen: Diese Selbigkeit gehört nicht wie eine durchgängige Beschaffenheit zu jedem Vorliegenden. Vielmehr gehört jedes Vorliegende in die Selbigkeit mit ihm selber, denn anders könnte niemals ein Vorliegendes selber von ihm selbst her vorliegen.

Was dem Grundsatz A ist A zu Grunde zu liegen scheint, dieser Grund, den dieser Satz darlegt, die Selbigkeit von etwas mit ihm selber, ist nichts Vorliegendes, nichts Zugrundeliegendes, ist in diesem Sinne kein Grund mehr. Weil aber kein Grund mehr ist, sprechen wir im strengen und nüchternen Sinne vom Ab-grund.

He***

(Bremer und Freiburger Vorträge, S. 111-112).