Ontologische Abkünftigkeit des traditionellen Wahrheitsbegriffes

Die Entdeckheit des Seienden rückt mit der Ausgesprochenheit der Aussage in die Seinsart des innerweltlich Zuhandenen. Sofern sich nun aber in ihr als Entdecktheit von... ein Bezug zu Vorhandenem durchhält, wird die Entdecktheit (Wahrheit) ihrerseits zu einer vorhandenen Beziehung zwischen Vorhandenen (intellectus et res).

Das in der Erschlossenheit des Daseins fundierte existenziale Phänomen der Entdecktheit wird zur vorhandenen, noch Bezugscharakter in sich bergendem Eigenschaft und als diese in eine vorhandene Beziehung auseinandergebrochen. Wahrheit als Erschlossenheit und entdeckendes Sein zu entdecktem Seienden ist zur Wahrheit als Übereinstimmung zwischen innerweltlich Vorhandenem geworden.

H***
(Sein und Zeit, S. 225).

Schein

Der volle existenzial-ontologische Sinn des Satzes: » Dasein ist in der Wahrheit« sagt gleichursprünglich mit: »Dasein ist in der Unwahrheit«. Aber nur sofern Dasein erschlossen ist, ist es auch verschlossen.; und sofern mit dem Dasein je schon innerweltliches Seiendes entdeckt ist, ist dergleichen Seiendes als mögliches innerweltlich Begegnendes verdeckt (verborgen) oder verstellt.

Daher mußt das Dasein wesenhaft auch schon Entdeckte gegen den Schein und die Verstellung sich ausdrücklich zueignen und sich der Entdecktheit immer wieder versichern. Erst recht vollzieht sich alle Neuentdeckung nicht auf der Basis völliger Verborgenheit, sondern im Ausgang von der Entdecktheit im Modus des Scheins. Seiendes sieht so aus wie..., das heißt, es ist in gewisser Weise schon entdeckt und doch noch verstellt.

H***
(Sein und Zeit, S. 222).
Das Dasein ist, weil wesenhaft verfallend, seiner Seinsverfassung nach in der »Unwahrheit«.

H***
(Sein und Zeit, S. 222).
Dasein ist »in der Wahrheit«

H***
(Sein und Zeit, S. 221).

Entdecktheit

Wahrsein als entdeckend-sein ist eine Seinsweise des Daseins. Was dieses Entdecken selbst möglich macht, muß notwendig in einem noch ursprünglicheren Sinne »wahr« genannt werden. Die existenzial-ontologischen Fundamente des Entdeckens selbst zeigen erst das ursprünglichste Phänomen der Wahrheit.

Das Entdecken ist eine Seinsweise des In-der-Welt-seins. Das umsichtige oder auch das verweilende hinsehende Besorgen entdecken innerweltliches Seiendes. Dieses wird das Entdeckte. Es ist »wahr« in einem zweiten Sinne. Primär »wahr«, das heißt entdeckend ist das Dasein. Wahrheit im zweiten Sinne besagt nicht Entdeckend-sein (Entdeckung), sondern Entdeckt-sein (Entdeckheit).

H***
(Sein und Zeit, S. 220).

Wahrsein

Wahrsein (Wahrheit) besagt entdeckend-sein.

Das Wahrsein des λογος als αποφανσις ist das αληθευειν in der Weise des αποφαινεσθαι: Seiendes — aus der Verborgenheit herausnehmend — in seiner Unverborgenheit (Entdecktheit) sehen lassen.

H***
(Sein und Zeit, S. 219).

Nicht


Einander dann nicht mehr zu kennen, auf einmal.
Oder sehr lang schon: schon immer.

Nicht, es geht hier um Nicht.

Manche sagen, dass das,
genau das, der wesentliche Moment ist,
der Moment 'Nicht',
darum ginge es.

Doch das ist, was manche tun: reden,
immer nur reden.
Musik im Fahrstuhl.
Hätten sie recht, würden sie schweigen.

B***
(Maar zingend).