Politik ohne Zukunft

»ich bin meine Wählerschaft« bedeutet das Ende des Politikers im emphatischen Sinne, nämlich jenes Politikers, der auf seinem eigenen Standpunkt beharrt und, statt mit der Wählerschaft konform zu gehen, ihr mit einer Vision vorausgeht. Die Zukunft als Zeit des Politischen verschwindet.

Wird alles sofort öffentlich, so wird die Politik unausweichlich kurzatmig, kurzfristig und verdünnt sich zu Geschwätzigkeit.

Ha*
(Im Schwarm, S. 29)

Journalisten, Priester, Politiker

Jeder produziert und sendet Information. Die Entmediatisierung der Kommunikation lässt die Journalisten, diese ehemals elitären Repräsentanten, diese »Meinungsmacher« ja die Priester der Meinung, gar als überflüssig und anachronistisch erscheinen. Das digitale Medium schafft jede Priesterklasse ab. Die allgemeine Entmediatisierung beendet die Epoche der Repräsentation.

Ha*
(Im Schwarm, S. 27-8)

Radio



Elektronische Medien wie das Radio versammeln Menschen, während die digitalen Medien sie vereinzeln.

Ha*
(Im Schwarm, S. 21)

Ein anonymer Jemand

Der homo digitalis ist alles andere als »Niemand«. Er behält seine private Identität, selbst wenn er als Teil des Schwarms auftritt. Er äußert sich zwar anonym, aber in der Regel hat er ein Profil und arbeitet unaufhörlich an seiner Optimierung. Statt »Niemand« zu sein, ist er penetrant Jemand, der sich ausstellt und um Aufmerksamkeit buhlt. Der massenmediale Niemand dagegen beansprucht für sich selbst keine Aufmerksamkeit. Seine private Identität ist ausgelöscht. Er geht in der Masse auf. Darin besteht sein Glück. Er kann ja nicht anonym sein, weil er ein Niemand ist. Der homo digitalis dagegen tritt zwar oft anonym auf, aber er ist kein Niemand, sondern ein Jemand, nämlich ein anonymer Jemand.

Ha*
(Im Schwarm, S. 20-1)

Wellen


















Es ist bekannt, dass Schmitt Zeitlebens Angst vor Wellen hatte.

Aus Angst vor Wellen soll Schmitt auch Radio und Fernseher aus seinem Haus entfernt haben.

Ha*
(Im Schwarm, S. 13)

Distanzlosigkeit

Die Distanznahme ist konstitutiv für den öffentlichen Raum. Heute herrscht dagegen eine totale Distanzlosigkeit, in der die Intimität öffentlich ausgestellt wird und das Private öffentlich wird. Ohne Ab-Stand ist auch kein An-Stand möglich. Auch der Ver-Stand setzt einen distanzierten Blick voraus.

Ha*
(Im Schwarm, S. 7-8)

Skandalgesellschaft

Respekt heißt wörtlich Zurückblicken. Er ist eine Rücksicht. Eine Gesellschaft ohne Respekt, ohne Pathos der Distanz führt in die Skandalgesellschaft.

Ha*
(Im Schwarm, S. 7)