Herkunftskomplex

Es genügt nicht, daß wir uns nur Notizen machen über das, was uns wichtig ist, über das uns wichtigste möglicherweise (...), über unseren ganzen Herkunftskomplex, daß wir so viele Hunderte und Tausende von Zetteln vollgeschrieben haben über diese Thematik, die unsere lebenslängliche Thematik ist, wir haben zweifellos und tatsächlich einen größeren, um nicht sagen zu müssen, einen großen Bericht abzugeben von dem, woraus wir schließlich entstanden und gemacht und von welchem wir die ganze Zeit unserer Existenz geprägt sind. Wir können viele Jahre davor zurückschrecken und vor nichts wie vor einer solchen ja beinahe übermenschlichen Anstrengung zurückscheuen, aber wir habe sie schließlich und endlich anzugehen und auszuführen.

Be***

(Auslöschung, S. 201).

Böse Geister

Wir glauben, wir können ein solches Vorhaben anfangen und sind doch nicht imstande dazu, alles ist immer gegen uns und gegen ein solches Vorhaben, so zögern wir es immer hinaus und kommen niemals dazu, so werden so viele Geistesarbeiten, die geschrieben werden müßten, nicht geschrieben, bleiben so viele Niederschriften, die wir die ganze Zeit, jahrelang, jahrzehntelang in unserem Kopf haben, in unserem Kopf. Wir ziehen alle mögliche Gründe, mit einer solchen Arbeit nicht anfangen zu müssen, heran, wir kramen alle nur mögliche Ausreden aus, wir rufen alle möglichen Geister, die alle nur böse Geister sein können, an, um nicht anfangen zu müssen, wo wir anfangen sollten.

Be***

(Auslöschung, S. 200).

Der allererste Satz

Die Schwierigkeit ist ja immer nur, wie einen solchen Bericht anfangen, wo einen tatsächlich brauchbaren ersten Satz einer solchen Aufschreibung hernehmen, einen solchen allerersten Satz. In Wahrheit habe ich ja schon oft angefangen mit diesem Bericht, aber ich bin schon in dem allerersten aufgeschriebenen Satz gescheitert.

Be***
(Auslöschung, S. 198).

Das geheimgehaltene Denken

Wir haben uns mit der Zeit angewöhnt, alles in uns geheimzuhalten, jedenfalls das, was wir denken, das wir uns zu denken getrauen, um nicht umgebracht zu werden, denn wie wir wissen, wird umgebracht, wer sein Denken nicht geheimhalten kann, sein tatsächliches Denken, von welchem niemand, außer er selbst, eine Ahnung haben kann (...). Das geheimgehaltene Denken is das entscheidende (...), nicht das ausgesprochene, nicht das veröffentlichte, das mit dem geheimgehaltene sehr wenig, meistens überhaupt nichts gemeinsam hat und immer ein viel niedrigeres ist, als das geheimgehaltene, welches doch immer Alles ist, während das veröffentlichte, wie wir wissen, nur das notdürftigste ist.

Be***

(Auslöschung, S. 160-161).

Han Beom-Su Ryu



Meister Han, Beom-Su wurde am 12. November 1911 geboren zu Buyeo, Provinz Chungcheongnam. Er entwickelte sich zu einem Meister auf dem haegeum - ein koreanischer Fidel - und daegeum - eine Querflöte aus Bambu. Seit 1970 war er Professor an der Koreanischen National-Universität für die Künste in Seoul. Diese Aufnahme vom März 1968 enthält zwei Stücke im Sanjo-Stil. Mehr zum Sanjo-Stil hier auf wikipedia.

한범수류 haegeum sanjo
1. 진양조 jinyangjo - 5:36
2. 중모리 jungmori - 2:53
3. 중중모리 jungjungmori, 4:55

한범수류 daegeum sanjo
4. 진양조 jinyangjo - 10:09
5. 중모리 jungmori - 7:55
6. 중중모리 jungjungmori, 11:54

1981 erlitt Han Beom-Su einen Schlaganfall, er starb am 22. Juli 1984.

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Leer

Nietzsche (...), ich klopfe mir an den Kopf und er ist leer, vollkommen leer. Schopenhauer sage ich mir und ich klopfe an meinen Kopf und er ist leer. Ich klopfe an meinen Kopf und sage Kant und ich habe einen vollkommen leeren Kopf.

Tagelang gehen Sie mit einem solchen leeren Kopf umher und klopfen daran und stellen immer nur fest, daß er vollkommen leer ist. Das macht verrückt, wahnsinnig, unglücklich, auf die unglücklichste Weise verrückt und wahnsinnig und auf die fürchterlichste Weise existenzüberdrüssig (...).

Be***

(Auslöschung, S. 159).