Gebanntheit

Es ist einem langweilig. Diese Stimmung, in der das Dasein überall ist und doch nirgends sein mag, hat das Eigentümliche des Gebanntseins. Das Bannende ist nichts anderes als der Zeithorizont. Die Zeit bannt das Dasein, aber nicht als die stehengebliebene im Unterschied zum Fluß, sonder die Zeit jenseits von solchem Fließen und seinem Stehen, die Zeit, die je ds Dasein selbst im Ganzen ist. Diese ganze Zeit als ein Horizont bannt. Gebannt von der Zeit kann das Dasein nicht zum Seienden finden, das sich gerade in diesem Horizont der bannenden Zeit als das sich versagende im Ganzen bekundet.

H***
(Die Grundbegriffe der Metaphysik, S. 221).

Der All-Horizont der Zeit

Alles — in aller Hinsicht, Rücksicht und Absicht zumal entzieht sich das Seiende. Die drie Sichten der Hinsicht, Rücksicht und Absicht sind keine des bloßen Wahrnehmens oder gar des theoretischen oder sonstwie beschaulichen Vernehmens, sondern die Sichten für jedes Tun und Lassen des Daseins. Dieses Zumal-Ganze der Sicht, in der das Dasein sich ständig bewegt — mag die eine verstellt, umnebelt mag die andere einseitig bevorzugt sein — das Zumal dieser drei Sichten geht und verteilt sich in die Gegenwart, Gewesenheit und Zukunft. Diese drei Sichten sind kein Nebeneinander, sonder ursprünglich einig und einfach im Horizont der Zeit als solcher. Es ist ursprünglich der eine und einheitliche All-Horizont der Zeit.

H***
(Die Grundbegriffe der Metaphysik, S. 218).

Hingezwungenheit an die Ermöglichung des Daseins

Das ansagende Hinweisen auf das, was das Dasein in seiner Möglichkeit eigentlich ermöglicht, ist ein Hinzwingen auf die einzige Spitze dieses ursprünglich Ermöglichenden. Es ist einem langweilig. Der vollen Weite des sich im Ganzen versagenden Seienden, in dessen Mitte wir uns befinden, enspricht die einzige Zuspitzung der Hingehaltenheit auf das, was das Dasein inmitten des so im Ganzen offenbarem Seienden ursprünglich ermöglicht. Es ist einem langweilig. Zu diesem Im-Stich-gelassenwerden von dem sich im Ganzen versagenden Seienden gehört zugleich das Hingezwungenwerden an diese äußerste Spitze der eigentlichen Ermöglichung des Daseins als solchen. Damit haber wir die spezifische Hingehaltenheit der dritten Form bestimmt: Hingezwungenheit an die ursprüngliche Ermöglichung des Daseins als eines solchen.

H***
(Die Grundbegriffe der Metaphysik, S. 216).

Das Selbst zu ihm Selbst gebracht durch das Versagen

Wem denn? Nicht mir als mir, nicht mir mit diesen bestimmten Absichten usf. Also dem namenlosen und bestimmungslosen Ich? Nein, wohl aber dem Selbst, dessen Name, Stand und dergleichen belanglos geworden, selbst in die Gleichgültigkeit mit hineingezogen ist. Doch das in all dem belanglos werdende Selbst des Daseins verliert damit nicht seine Bestimmtheit, sondern umgekehrt, diese eigentümliche Verarmung, die mit diesem »es ist einem langweilig« bezüglich unsere Person einsetzt, bringt das Selbst erst in aller Nacktheit zu ihm selbst als das Selbst, das da ist und sein Da-sein übernommen hat. Wozu? Es zu sein. Nicht mir als mir, sondern dem Dasein in mir versagt sich das Seiende im Ganzen, wenn ich weiß: es ist einem langweilig.

H***
(Die Grundbegriffe der Metaphysik, S. 215).

Im Ganzen gleichgültig

Dieses Seiende im Ganzen versagt sich, und das wiederum nicht nur in einer bestimmten Hinsicht, mit Rücksicht auf ein Bestimmtes, in Absicht auf Bestimmtes, das wir mit dem Seienden etwas anfangen wollten, sondern dieses Seiende im Ganzen in der genannten Weite nach jeder Hinsicht und in jeder Absicht und für jede Rücksicht. Dergestalt im Ganzen wird das Seiende gleichgültig.

H***
(Die Grundbegriffe der Metaphysik, S. 215).

Das Sagen im Versagen ist Hingehaltenheit

Dieses im Versagen selbst liegende Sagen, Hinweisen auf die brachliegenden Möglichkeiten, ist am Ende die zu dieser Leergelassenheit gehörige Hingehaltenheit.

H***
(Die Grundbegriffe der Metaphysik, S. 212).