Das Geschichtliche

Das Geschichtliche meint nicht die Art der Erfassung und Erkundung, sondern das Geschehen selbst. Das Geschichtliche ist nicht das Vergangene, auch nicht das Gegenwärtige, sondern das Zukünftige, das, was in den Willen, in die Erwartung, in die Sorge gestellt ist. Das läßt sich nicht betrachten, sondern darauf müssen wir uns be-sinnen.

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(Grundfragen der Philosophie, S. 40).

Das Historische

Das Historische bedeutet, wie das Wort anzeigen soll, des Vergangene, sofern es aus dem jeweiligen Gesichtskreis der jeweiligen Gegenwart — sei es ausdrücklich oder unausdrücklich — erkundet und dargestellt wird. Alle historische Betrachtung macht das Vergangene als solches zum Gegenstand.

H***
(Grundfragen der Philosophie, S. 40).

Selbstverständlichkeit

Selbstverständlichkeit bleibt immer eine sehr fragwürdige Gewähr der Rechtmäßigkeit einer Anschauung. Denn einmal ist fraglich, wie weit denn das, was da von selbst sich verstehen soll, verstanden wird, ob da nicht gerade auf das Verstehenwollen verzichtet und die Berufung auf die Gedankenlosigkeit zum Grundsatz erhoben wird. Zum anderen ist fraglich, welche Art von »Verständlichkeit« heir maßgebend ist. Was auf einer gewissen Stufe des »Verstehens« — des nur so obenhin Verstehens — sehr einleuchtend sein mag, kann auf der Stufe des echten Begreifenwollens ganz unverständlich sein.

H***
(Grundfragen der Philosophie, S. 39).

Das Revolutionäre

Der ursprüngliche und echte Bezug zum Anfang ist das Revolutionäre, das durch die Umwälzung des Gewöhnlichen das Verborgene Gesetz des Anfanges wieder ins Freie bringt. Der Anfang wird deshalb gerade nicht bewahrt — weil gar nicht erreicht — durch das Konservative. Denn dieses macht aus dem Gewordenen das Regelhafte und das Ideal, das dann in der historischen Betrachtung immer neu aufgesucht wird.

H***
(Grundfragen der Philosophie, S. 37).

Geschichte ist nicht das Vergangene

Das Geschehen und die Geschichte ist nicht das Vergangene und das als solche Betrachtete, d.h. das Historische. Das Geschehen ist aber ebensowenig das Gegenwärtige. Das Geschehen und Geschehende der Geschichte ist zuerst und immer das Zukünftige, das verhüllt auf uns Zukommende, aufschließende, wagende Vorgehen und so das zu sich Vorzwingende. Das Zukünftige ist der Anfang alles Geschehens.

H***
(Grundfragen der Philosophie, S. 36).

Nur der Mensch ist geschichtlich

Nur der Mensch ist geschichtlich — als jenes Seiende, das, ausgesetzt dem Seienden im Ganzen, in der Auseinandersetzung mit diesem Seienden sich freistellt in die Notwendigkeit.

H***
(Grundfragen der Philosophie, S. 36).

Das Wahre

Das Wahre, was wir so nennen und was wir vielleicht mehr wünschen als suchen, bedeutet uns aber auch nicht nur etwa die Summe aller richtigen Feststellungen und Anweisungen zum richtigen Handeln. Das Wahre suchen — damit meinen wir jenem Richtigen nachgehen, auf das alles Tun und Lassen und alle Beurteilung der Dinge im vorhinein abgestellt, Jenes, worauf unser geschichtliches Menschliches festgemacht ist. Das Wahre bedeutet uns da jenes, wofür wir leben und sterben. Dieses Wahre ist »die Wahrheit«.

H***
(Grundfragen der Philosophie, S. 26-27).