Das Horchen

Auf dem Grunde dieses existenzial primären Hörenkönnens ist so etwas möglich wie Horchen, das selbst phänomenal noch ursprünglicher ist als das, was man in der Psychologie »zunächst« als Hören bestimmt, das Empfinden von Tönen und das Vernehmen von Lauten.

H***
(Sein und Zeit, S. 163).

Das Hören

Das Hören ist für das Reden konstitutiv. Und wie die sprachliche Verlautbarung in der Rede gründet, so das akustische Vernehmen im Hören. Das Hören auf... ist das existenziale Offensein des Daseins als Mitsein für den Anderen. Das Hören konstituiert sogar die primäre und eigentliche Offenheit des Daseins für sein eigenstes Seinkönnen, als Hören der Stimme des Freundes, den jedes Dasein bei sich trägt. Das Dasein hört, weil es versteht. Als verstehendes In-der-Welt-sein mit den Anderen ist es dem Mitdasein und ihm selbst »hörig« und in dieser Hörigkeit zugehörig. Das Aufeinander-hören, in dem sich das Mitsein ausbildet, hat die möglichen Weisen des Folgens, Mitgehens, die privativen Modi des Nicht-Hörens, des Widersetzens, des Trotzens, der Abkehr.

H***
(Sein und Zeit, S. 163).

Hören und Schweigen

Als existenziale Verfassung der Erschlossenheit des Daseins ist die Rede konstitutiv für dessen Existenz. Zum redenden Sprechen gehören als Möglichkeiten Hören und Schweigen.

H***
(Sein und Zeit, S. 161).

Die Rede

Das existenzial-ontologische Fundament der Sprache ist die Rede

Die Rede ist mit Befindlichkeit und Verstehen existenzial gleichursprünglich.

Die befindliche Verständlichkeit des In-der-Welt-seins spricht sich als Rede aus. Das Bedeutungsganze der Verständlichkeit kommt zu Wort. Den Bedeutungen wachsen Worte zu. Nicht aber werden Wörterdinge mit Bedeutungen versehen.

H***
(Sein und Zeit, S. 160, 161).

Mitteilend bestimmende Aufzeigung

Aussage ist mitteilend bestimmende Aufzeigung.

Der im Aussagen immer auch mitliegende Vorgriff bleibt meist unauffällig, weil die Sprache je schon eine ausgebildete Begrifflichkeit in sich birgt. Die Aussage hat notwendig wie Auslegung überhaupt die existenzialen Fundamente in Vorhabe, Vorsicht und Vorgriff.

H***
(Sein und Zeit, S. 156, 157).

Das Hörensagen

Das Ausgesagte als Mitgeteilte kann von den Anderen mit dem Aussagenden »geteilt« werden, ohne daß sie selbst das aufgezeigte und bestimmte Seiende in greif- und sichtbarer Nähe haben. Das Ausgesagte kann »weiter-gesagt« werden. Der Umkreis des sehenden Miteinanderteilens erweitert sich. Zugleich aber kann sich dabei im Weitersagen das Aufgezeigte gerade wieder verhüllen, obzwar auch das in solchem Hörensagen erwachsende Wissen und Kennen immer noch das Seiende selbst meint und nicht etwa einen herumgereichten »geltenden Sinn« »bejaht«. Auch das Hörensagen ist ein In-der-Welt-sein und Sein zum Gehörten.

H***
(Sein und Zeit, S. 155).

Aussage

1. Aussage bedeutet primär Aufzeigung. Wir halten damit den ursprünglichen Sinn von λογος als αποφανσις fest: Seiendes von ihm selbst her sehen lassen.

2. Aussage besagt soviel wie Prädikation. Von einem »Subjekt« wird ein »Prädikat« »ausgesagt«.

3. Aussage bedeutet Mitteilung, Heraussage. Sie ist Mitsehenlassen des in der Weise des Bestimmens Aufgezeigten.

H***
(Sein und Zeit, S. 154-5).