Selfishness der übrigen Teilsysteme

Die übrigen Teilsysteme sind naturgemäß viel stärker gezwungen, ihre Selfishness zu okkultieren und sich mit Hilfe von vagen holistischen Rhetoriken zu rechtfertigen. Weil sie letztlich nur »eingebettete« Experten brauchen können, bringen diese Disziplinen keine echten Wissenschaften hervor und erschweren den Übergang zum Niveau nicht-selbstbedienender Theoriebildung.

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(Du mußt dein Leben ändern, S. 683).

Selfishness des ökonomischen Systems

Schon die ersten liberalen wie Mandeville und Adam Smith hatten verstanden: Erst kommt die Amortisation, dann kommt die Moral. Das Industriesystem erkannte ohne Hehl seine Aufgabe darin, seinen Betreibern Profite zu bringen, damit sie ihre Kredite bedienen, neue Investitionen tätigen und Lohnkosten tragen können. Kurzum: »Soziales« läßt sich systemintern nur über Nebeneffektkalküle berücksichtigen. Das Argument, die Wirtschaft nütze der Mitwelt am meisten, wenn sie sich auf das konzentriert, was sie am besten kann, nämlich Profite erzeugen, ist durchschlagend richtig — und kommt doch über eine trübe Plausibilität nicht hinaus, weil mit dem evidenten Erfolg der einen Seite die Gegenevidenz wächst: daß die Selfishness des ökonomischen Systems über zu vielen anderen Interessen hinweggeht, ob man diese nun als die des Ganzen beschreiben möchte oder nicht.

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(Du mußt dein Leben ändern, S. 682-3).

Ausdifferenzierung der Teilsysteme

Ausdifferenzierung bedeutet die Etablierung strikt selbstreferentiell organisierter Strukturen innerhalb eines Teilsystems bzw. eines »Praxisfelds« — in evolutionstheoretischen Ausdrücken: die Institutionalisierung von Selfishness. (...) Das Wachstum der Leistungsfähigkeit von Teilsystemen der modernen »Gesellschaft«, gleich ob es um Politik, Wirtschaft, Recht, Wissenschaft, Kunst, Kirche, Sport, Pädagogik oder Gesundheitswesen geht, [hängt] von der stetigen Zunahme ihrer Selbstbezüglichkeit ab, bis hin zu ihrem Einschwingen in den Zustand vollständiger selbstreferentieller Geschlossenheit.

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(Du mußt dein Leben ändern, S. 681).

Weder Bürger noch Persönlichkeiten

Die bürgerliche Hochkultur ist aus den Überschüssen des Schulhumanismus über den staatlichen Schulauftrag hervorgegangen. (...) Es gab seinen begabteren Zöglingen unendlich viel mehr Kulturmotive mit, als sie in ihren zivilen Funktionen je würden brauchen können. (...).

In der jüngsten Phase der Schulgeschichte hat sich die schöpferische Maladaption der klassischen Schule vielerorts in eine maligne Maladaption verkehrt, die insofern modern genannt werden darf, als sie aus einer epochentypischen Störung der Vorbildfunktionen und des damit verbundenen Verfalls des Übungsbewußtsein resultiert. In ihrer Folge nähert die Schule sich einem Punkt, an dem sie doppelt implodiert, so daß sie weder Bürger noch Persönlichkeiten hervorbringt.

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(Du mußt dein Leben ändern, S. 679, 680).

Der Reiz der Moderne

Mehr als jede Zivilisationsform vor ihr ist die Moderne auf eine Sortierung des Weitergabewürdigen und die Abkürzung von maladaptiven Entwicklungen angewiesen, mögen auch die nötige Warnhinweise von den Akteuren einer aktuellen Generation, die in expressiven Fehlentwicklungen schwelgt, als unterdrückerische Eingriffe wahrgenommen werden. Das Schwelgedürfen in kurzlebigen Maladaptionen macht im übrigen einen guten Teil des Reizes moderner Lebensformen aus. Es definiert ihr Aroma von Freiheit und Folgenlosigkeit. Es befreit die Gegenwart von der Last, Vorbilder zu schaffen — nicht umsonst ist die Moderne das Eldorado der Jugendbewegungen. Ihre größte Versuchung besteht darin, die Zukunft abzuschaffen unter dem Vorwand, die Zukunft zu sein.

Sl***

(Du mußt dein Leben ändern, S. 672-3).