Das Unwägbare ist das Seyn

Das denkerische Sagen reißt in das Befremdliche und läßt das zu Wissende im Eindruck- und Wirkungslosen stehen. Das Denken des Seyns gründet die unbedingte Einsamkeit des noch unentschiedenen aber Entscheidung fordernden Inzwischen, den Ur-sprung, der eine Lichtung reißt, die eine unwägbare Vereinsamung bleibt. Das Unwägbare ist das Seyn.

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(Besinnung, S. 55-6)
So überrascht es nicht, die Geschichte des Denkens als Geschichte des Geistes und der Kultur anzutreffen oder als Geschichte ihrer »Probleme«, wobei sie selbst für das Fragloseste gehalten wird. Jede Ahnung, die Philosophie könnte der Geschichte des Seyns angehören, ja sogar nur diese Geschichte, der Kampf der Ab-gründe und Gründungen der Wahrheit des Seyns, und nichts außerdem sein, bleibt verbannt.

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(Besinnung, S. 54)

Die Philosophie ist des Seyns

Die Philosophie ist des Seyns; sie gehört diesem, nicht etwa als die Art nur seiner Erfassung, sondern als die Wesung der dem Seyn zugehörigen Wahrheit. In dieser Wahrheit hat die Philosophie ihre Geschichte: die Wahrheit des Seyns verfängt sich aber, weil sie der Ab-grund ist, zuvor und lange Zeit in einem Schein: daß das Sein als Seiendheit das Wesen des Seyns erschöpfe, und daß das Vorstellen des Seins nur eine Aufdringlichkeit zu diesem sei, deren das Seyn entbehren könnte.

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(Besinnung, S. 53-4)

Wesensgefahr für das Denken des Seyns

Die Wesensgefahr für das Denken des Seyns bezuegt sich darin, daß die Wissenschaften, die Dichtung (Kunst), die Weltanschauungen, obzwar grundverschieden unter sich nach Wesen und Rang, nach Herkunft und Wirkung, doch gleichgierig sind auf eine Verunstaltung oder gar Ersetzung des einfachen Wesens der Philosophie. In Wahrheit freilich werden diese drei zu Zeiten von der Übermacht des Seienden zur Verstörung der Philosophie unter dem Anschein ihrer Verbesserung und Rettung vorgeschickt, um das Seyn in die Botmäßigkeit des Seienden zu bringen und die Vergessenheit des Seins, deren alle Vor- und Herstellung des Seienden bedarf, in das ausschließliche Recht zu setzen.

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(Besinnung, S. 52-3)

Grundlosigkeit des Seyns

Kein Seiendes vermag dem Seyn einen Grund zu leihen, weil das Seyn der Ab-grund ist, darin erst die Not alles Grundlosen ihre Tiefe und die Notwendigkeit jeder Gründung ihre Gipfel hat. Der Lichtung des Abgrundes und nur ihr gehört die Philosophie, indem sie das Einfachste und Stillste zu sagen übernimmt: Das Wort der Wahrheit des Seyns, den Spruch des wissenschaftslosen Wissens, der nie Machtspruch ist und die Ohnmacht nicht kennt.

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(Besinnung, S. 52)

Dichtung und Philosophie

Weil die Philosophie das Seyn sagt, und deshalb nur als Wort im Wort ist, und weil ihr Wort nie das Zusagende nur bedeutet oder bezeichnet, sonder im Sagen das Seyn selbst ist, möchte sie alsbald den Übertritt in die Dichtung als Nothilfe und als Gefäß zumal suchen. (...). Die Zuflucht zur Dichtung ist die Flucht vor der kalten Kühnheit der Seinsfrage, die stets ein Zerbrechen der Machenschaft des Seienden, ihrer Verleugnung des Seyns, vollbringt und in der Unruhe und Zerklüftung eines Bruches verharren muß, so daß ein Denken des Seyns nie in die Ruhe des »Werkes« einkehren darf. Der Philosophie gehört die Ruhe der Herrschaft des bildlosen Wissens.

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(Besinnung, S. 51)

Verfall der Philosophie in den Wissenschaften

Weil die Philosophie das wesentliche Wissen ist und so das verborgene Leuchten des Wesens der Wahrheit unterhält, lockt sie das Ausgleiten in die »Wissenschaften«, um gleich diesen und gestützt scheinbar durch deren Ergebnisse die Wissenschaftlichkeit zur Auszeichnung des Wissens zu machen. Und doch bleibt dies immer ein Verfall in das Untergeordnete (...).

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(Besinnung, S. 50-1)