»Weltanschauungen«

Dasselbe leistet, nur in einer entgegengesetzten Weise — die Vormacht der »Weltanschauungen«. Sie sind die ganz im Seienden ausgebreiteten und die mit ihm als dem »Wirklichen« — »Lebensnahen« rechnenden Formen bzw. Unformen der Metaphysik. Als solche berufen sie sich auf das »Wirkliche« in den Verhältnissen, Begebenheiten und Umständen, auf den »Charakter« und den »Instinkt« in menschlichen Haltungen. Sie wehren alle »Ontologie« als »bloß« verstandesmäßige, leere Begriffsrechnung ab und erwecken doch nur gleich jener den Schein, die Deutung des Seienden und Maßstabsetzungen beizubringen.

H***
(Besinnung, S. 401)

Die »Ontologie«

Die »Ontologie« hat daher die Rolle, die Frage nach der Wahrheit des Seyns in der ihr gemäßen Unzugänglichkeit für die Metaphysik zu halten; sie ist ein von der Metaphysik dem seynsgeschichtlichen Denken wider die Absicht gewährter Schutz vor einer Verunstaltung durch das Nichtbegreifen.

H***
(Besinnung, S. 401)

Selbigkeit des Seyns mit dem Nichts

Vielmehr ist die Selbigkeit des Seyns mit dem Nichts das Zeugnis dafür, daß das Seyn vor allem Seienden niemals ein »nichtiges« sein kann, weil es der Abgrund der Wesung dessen ist, worin jegliches Seiende als ein solches gründet. Der Ab-grund aber ist kein »Absolutes« — für sich losgelöstes und beständiges Seiendes —, sondern das Er-eignis des Kommens, was freilich mit dem metaphysisch allzusehr belasteten Namen »Endlichkeit« nicht benannt werden darf, es sei denn, das Denken und Nach-denken löse sich zuvor aus den gewohnten Vorstellungsbahnen und werde zu einem sich loslassenden Mitfragen einer Frage.

H***
(Besinnung, S. 395)

Vor-herigkeit

Vor-herigkeit ist, seynsgeschichtlich gedacht, ein Anklang des Ab-grundes der Lichtung, die zuvor schon west und doch zunächst unvorstellbar bleibt, weil sie überhaupt nicht vor-gestellt werden kann.

H***
(Besinnung, S. 391)

Überschattung

Woher diese Überschattung — die Ungegründetheit der Wahrheit des Seins, das Nichtwissenkönnen der Wahrheit in ihrem Wesen als Wahrheit des Seins.

H***
(Besinnung, S. 391)

Nietzsches »Heraklitismus«

Nicht der »Heraklitismus« bringt Nietzsche in den geschichtlichen Wesensbezug zum Anfang, sondern jenes Denken, demzufolge die Frage nach Sein des Seienden sich auflöst in die unbeschränkte Vormacht des Seienden im Ganzen als sich selbst beständigendes und bestätigendes »Leben«, das auf keinen »Wert« mehr abschätzbar, sonder nur lebbar ist.
H***
(Besinnung, S. 385)

Verbergung ist Verweigerung

Das Seyn verbirgt so die Möglichkeit seiner Wahrheit und deren Gründung, läßt das Seiende nur in das Allgemeine der Seiendheit los. Diese Verbergung ist Verweigerung, die aus dem Seyn selbst kommt, das nur noch die leere Seiendheit als ihr Unwesen in die Seinsvergessenheit wegschickt.

H***
(Besinnung, S. 364)